Page1

Die Therapie der gutartigen Vergrösserung der Prostata

Während bis zum Anfang der 90er Jahre nur zwei Therapieoptionen vorherrschten, nämlich die medikamentöse Behandlung mit Phytotherapeutika und die chirurgische Verkleinerung der Prostata (in der Regel die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata, TURP), ist die Bandbreite der Therapieoptionen in den letzten Jahren deutlich erweitert worden. So sind in den letzten Jahren eine Reihe von weiteren medikamentösen und minimal-invasiven Therapieoptionen entwickelt worden, die das Standardverfahren TURP mit seiner relativ hohen Komplikationsrate und dem vergleichsweise langen Klinikaufenthalt in Frage stellen oder ergänzen. Parallel zu dieser Entwicklung lässt sich in fast allen westlichen Ländern eine deutliche Abnahme der Operationshäufigkeit feststellen.

Die gewählte Therapieform bei BPH hängt wesentlich vom Leidensdruck des Patienten, von dessen Alter und dem Symtomscore ab.

Medikamentöse Behandlung

In den Stadien I und II (Reizstadium und dem Restharnstadium), werden häufig pflanzliche Präparate (Phytotherapeutika) eingesetzt. Einige dieser Medikamente erzielen eine nachweisbare Besserung der Beschwerden. Das zeigt die Uroflow- und Restharn-Messung. Sie wirken Ödemen und Blutstauungen entgegen. Daraus ergeben sich Verbesserungen hauptsächlich der Reizsymptomatik des BPH-Syndroms.

Obwohl die Wirkmechanismen vieler pflanzlicher Präparate wissenschaftlich nicht belegt sind, und manche einem Placebo nicht überlegen sind, stellen sie in einem frühen Stadium doch eine wirksame therapeutische Möglichkeit dar. Für das Beta-Sitosterin liegen liegt eine wissenschaftlich kontrollierte Studie vor, die zeigt, dass dieses Pflanzenpräparat zu einer objektiven Symptombesserungen bei der Harnflussrate und der Restharnmenge und zu einer deutlichen Linderung subjektiver Beschwerden führt. Der Mechanismus ist hierbei ebenfalls unbekannt.

Alpha-1-Rezeptorenblocker (Wirkstoffe: Terazosin, Prazosin, Alfuzosin u.a.) sind Medikamente, die auf die Aktivität des sympathischen Nervensystems Einfluss nehmen. Sie bewirken eine Lockerung in der Spannung der Muskelzellen der vergrößerten Prostata und dem inneren Blasenverschluss. So erleichtern sie die Blasenentleerung, weil der Abflusswiderstand gesenkt wird. Die Dosierung sollte niedrig beginnen und dann langsam gesteigert werden. Problem sind die häufig auftretenden Nebenwirkungen, besonders Blutdruckabfall, Schwindel und Kopfschmerzen. Die Libido kann herabgesetzt sein. In seltenen Fällen ist sogar eine schmerzhafte Dauererektion (Priapismus) aufgetreten.

5-Alpha-Reduktasehemmer (Wirkstoff Finasterid u.a.) sind Medikamente, die die Wirkung von 5-Alpha Reduktase verringern. Dieser Stoff greift in den Testosteronstoffwechsel innerhalb der Prostata ein. Er bewirkt die Umwandlung von im Blut zirkulierendem Testosteron in das Dihydrotestosteron, das in den Prostatazellen aktiv ist. Durch die Hemmung von 5-Alpha-Reduktase wird weniger Dihydrotestosteron (DHT) produziert und das Zellenwachstum innerhalb der Prostata gehemmt. In Langzeitstudien wurde eine deutliche Verkleinerung der Prostata bei einer täglichen Dauermedikation nachgewiesen. Der Wirkungseintritt kann bis zu einem halben Jahr auf sich warten lassen. Werden die Medikamente abgesetzt, vergrößert sich die Prostata wieder. Deshalb ist eine dauerhafte Einnahme notwendig. 5-Alpha-Reduktasehemmer senken den PSA-Wert um bis zu 50 Prozent. Als Nebenwirkungen können, Kopf- und Bauchschmerzen, Schwäche, abnehmende Libido und Erektionsprobleme auftreten.

Antiöstrogene hemmen die Bildung von Östrogenen aus den Vorstufen der androgenen Hormone der Nebenniere (näheres siehe hier). Als Nebenwirkungen treten dabei auf: höhere Blutdruckwerte, Kopfschmerzen, Beinödeme, Anorexie, Veränderungen der Zungenschleimhaut u.a. Die Wirksamkeit wird derzeit noch in wissenschaftlichen Studien ermittelt

Antiandrogene Antiandrogene (Gestagene/Progesteron) sind Medikamente, die die wachstumsverstärkende Wirkung von Testosteron auf die Prostata blockieren sollen. Diese Behandlung, obwohl noch vielfach eingesetzt, gilt heute als veraltet. Sie sollten wegen der erheblichen Nebenwirkungen bei BPH nicht angewandt werden.

>> Weitere Therapieformen